
Klimawandel, Erderwärmung – bedeutet das, bei uns wird es einfach wärmer? Es fühlt sich fast so an, denn Jahr für Jahr steigen die Temperaturen, es gibt mehr heiße Tage im Sommer, weniger kalte Tage im Winter. Was genau damit einhergeht wurde beim Perspektiven-Auftakt am 16. April näher beleuchtet.
Die Krise und Problematik der klimatischen Entwicklung erklärte Dr. Tobias Kemper (LANUK NRW) in seinem Vortrag “Klimawandel und Wetterextreme – Herausforderung für die Kultur- und Veranstaltungsbranche”. Denn mit steigenden Temperaturen steigen extreme Hitzebelastung, Starkregenereignisse und Trockenperioden, Klimazonen verschieben sich. An der Auseinandersetzung mit dem Thema gibt es über Kurz oder Lang kein Vorbeikommen – doch es gibt bereits Ressourcen und Leitfäden, an denen sich die Kultur orientieren kann.
Dr. Sebastian Brünger von der Kulturstiftung des Bundes berichtete in seinem Vortrag über das Pilotprojekt “Klimaanpassung in Kultureinrichtungen”, welches in Kooperation mit 20 Kultureinrichtungen aus ganz Deutschland untersucht hat, wie diese sich am besten den Folgen der Klimakrise anpassen können.
Die Perspektiven-Bühne am 23. April bot Raum zur Vertiefung mit vier Praxisbeispielen, die berichteten, wie sie in ihrem Wirkungsfeld mit Klimawandelfolgen umgehen:
- Elisa Cominato vom Orange Blossom Special Festival
- Detlef Grooß (Vertretung für Nele Haller) vom Staatstheater Mannheim
- Andreas Pahl von der Klassikstiftung Weimar
- Cord Brune von der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern
Was bedeutet der Klimawandel für die Kulturbranche?
Zunahmende Erderwärmung und klimatische Veränderungen bedeuten zunächst, dass unvorhergesehene Belastungen zunehmen. Zum einen wird von steigender Besucher:innenzahl in Museen an Hitzetagen berichtet – eine Chance für die Kultur. Andererseits, wer zahlt die steigenden Kosten der Klimaanlage bei extremen Außentemperaturen? Und wer keine ausreichende Klimaanlage hat oder Veranstaltungen im Freien organisieren möchte muss mit steigenden Versicherungspauschalen, Absagen wegen Extremwetters und einer starken gesundheitlichen Belastung für die Mitarbeitenden rechnen. Feste Kultureinrichtungen sollten sich vor Schäden an Gebäuden und volllaufenden Kellern schützen – doch wer hat nicht seine Serverräume oder Materiallager im Keller?
Welche Maßnahmen sind nötig?
Neuplanungen machen nur einen geringen Teil der Anpassungsoptionen aus. Dr. Tobias Kemper betont, dass wir Anpassungen von Stadtstrukturen brauchen wie z. B. Freiflächen mit Fokus auf Besucher:innen. Es müssen Gebäude, Infrastruktur und vor allem Mitarbeitende und Besucher:innen geschützt werden. In der Diskussion wurden vielfältige Maßnahmen diskutiert, von Dachbegrünung über Flächenentsiegelungen bis hin zu Nachtlüften durch den Sicherheitsdienst, um angestauter Hitze vorzubeugen.
Konsens ist: Vernetzung ist essenziell!
Bewusstsein für das Thema ist nur der Anfang – lokale Ansprechpartner:innen und Mitstreiter:innen sind ebenso unabdingbar. Kennen Sie schon die Personen, die in Ihrer Kommune für Klimawandelanpassung zuständig sind? Wissen Sie, wer sich in Ihrem Umfeld noch für das Thema einsetzt? Es gilt gemeinsam stark und proaktiv voranzugehen, denn Klimafolgenanpassung ist eine Querschnittsaufgabe und es ist wichtig, dass alle zuständigen Akteur:innen kooperieren und gemeinsam handeln.
Möglichkeiten zur Weiterbildung rund um Klimafolgenanpassung im Kulturbereich gibt es z. B. bei Culture4Climate im Mai 2026.
Was wird bereits getan?
Auf der Bühne zeigten unsere Referent:innen aus der Kultur anhand eigener Projekte, wie wirkungsvolle Klimafolgenanpassung gelingen kann:

Elisa Cominato – Orange Blossom Special Festival
Schutz vor Extremwetter
Das Orange Blossom Special Festival zeigt, dass Open-Air-Festival und Klimafolgenanpassung Hand in Hand gehen können – vor allem wenn die Festivalleitung in der Nachhaltigkeits-AG sitzt. Bäume und Hitzeschutzräume bieten Kühlung und Dächer Schutz vor Regen.
Detlef Grooß (Vertretung für Nele Haller) – Staatstheater Mannheim
Entsiegelung und Bepflanzung
Im Staatstheater Mannheim sieht man aller Voraussicht nach ab 2028, dass durch Platz- und Fassadenbegrünung auch in der heißesten Stadt Deutschlands wirksam etwas gegen extreme Hitze getan werden kann.


Andreas Pahl – Klassik Stiftung Weimar
Anpassung an veränderte Klimazonen
Parkanlagen wie die der Klassikstiftung Weimar kämpfen mit sterbenden Bäumen und Hochwassergefahr – zeigen aber, dass neue Arten Platz in den Parkanlagen finden können und ein angepasstes Wassermanagement notwendig wird.
Cord Brune – Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern
Raumklima beachten
In Museen können Sammlungen intelligent in Gebäuden platziert und Ausstellungen nach Klimabedingungen in Räumen sortiert werden. Außerdem ist es sehr wichtig, die Funktion der Klimaanlage zu überprüfen und deren Effizienz zu optimieren.

Wir danken unseren Referent:innen für den wundervollen Tiefgang sowie unseren zahlreichen Teilnehmenden für eure Aufmerksamkeit und den spannenden Austausch.
Mehr Details sowie Videos und Präsentationen der Vorträge gibt es auf der Website der Perspektive. Auch beim Green Culture Festival 2026 am 9. und 10. Juni in Karlsruhe werden wir uns dem Thema Klimafolgenanpassung in Workshops und Gesprächsrunden widmen. Seien Sie mit dabei!
