24.03.2025, Kulturmanagement Tagung: "Nachhaltigkeits-Booster für die Kultur - Niedersachsen auf dem Weg vom Wissen zum Handeln". Eine Kooperation zwischen der Bundesakademie für Kulturelle Bildung - Wolfebüttel, der Green Culture Anlaufstelle und dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur. Künstlerhaus Hannover, Sophienstraße. Foto: Helge Krückeberg
Veränderung bedeutet nicht nur, Neues zu entwickeln, sondern auch, Vertrautes loszulassen. Nach drei Jahren Green Culture Anlaufstelle fragen wir deshalb: Was darf gehen? Gerade im Bereich Kreislaufwirtschaft zeigt sich, welche Denkweisen und Strukturen einer nachhaltigen Zukunft im Weg stehen und warum es Zeit ist, sie hinter uns zu lassen.
Was kommt?

- Kreislaufwirtschaft entwickelt sich zum strategischen Zukunftsthema. Sie verbindet Nachhaltigkeitsziele mit wirtschaftlicher Resilienz.
- Das Aktionsprogramm zur Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie und neue EU-Vorgaben wie die Ökodesign-Verordnung (ESPR) sowie Digitale Produktpässe schaffen zunehmend verbindliche Rahmenbedingungen.
- Branchenübergreifende Kooperationen gewinnen an Bedeutung, um Materialkreisläufe zu schließen.
- Zirkuläres Denken beginnt bereits in der Planung: Demontage, Lagerung und Wiederverwendung werden von Anfang an mitgedacht.
- Die 10 R‑Strategien werden zunehmend kreativ und passgenau auf unterschiedliche Organisationsformen angewendet.
- Wer Veränderungen anstoßen will, braucht belastbare Daten: CO₂- und Kosteneinsparungen machen die Vorteile zirkulären Wirtschaftens sichtbar und überzeugend.
Drei Jahre Green Culture Anlaufstelle haben uns gezeigt: Transformation entsteht selten über Nacht. Aber sie wird sichtbar, wenn aus einzelnen Projekten Strukturen, aus Pilotvorhaben Standards und aus engagierten Einzelakteur:innen starke Netzwerke werden. Das bleibt aus unserer Sicht:
Was bleibt?
- Die Kultur- und Kreativbranche ist auf dem Weg – in unterschiedlichem Tempo. Zahlreiche Vorreiter:innen zeigen bereits heute, wie Kreislaufwirtschaft gelingen kann.
- Zirkuläre Prozesse und Geschäftsmodelle verfestigen sich innerhalb und zwischen Kulturinstitutionen.
- Ein wachsendes Netzwerk aus über 25 regionalen Materialbörsen und ‑initiativen (verbunden durch die IfM Initiative für Materialkreisläufe) stärkt den Wissenstransfer und die Wiederverwendung von Materialien.

- Zahlreiche Leitfäden, Webtools und Praxisprojekte unterstützen die Umsetzung – von Materialweitergabe bis hin zu zirkulären Produktionsstätten. Darunter die Checkliste zur kostenfreien Weitergabe von Materialien (Dezernat Kultur der Stadt Leipzig und UNVERZAGT), Circular.Culture (NRW KULTURsekretariat, Neue Effizienz, Theater Bonn und Stadt Köln), Leipziger Theaterwerkstätten der Zukunft (Dezernat Kultur der Stadt Leipzig, Oper Leipzig und Förderung Übermorgen).
- Austausch- und Beratungsformate begleiten diese Entwicklung und fördern den Wissenstransfer in die Praxis.
Was geht?

- Lineare Produktions- und Nutzungslogiken.
- Die geringe Wertschätzung von Materialien und deren Potenzial zur Wiederverwendung.
- Silo-Denken innerhalb und zwischen Institutionen.
- Die Vorstellung, Kreislaufwirtschaft beschränke sich auf Mülltrennung und Ressourcenschonung – tatsächlich geht es um Wertschöpfung, Materialintelligenz und neue Geschäftsmodelle.
- Strukturelle Hemmnisse wie unklare Haftungsfragen, fehlende Lagerflächen oder enge Produktionszyklen sollten schrittweise abgebaut werden.
- Auch regulatorische Unklarheiten, die zirkuläre Ansätze bislang erschweren, müssen einer verlässlichen und praktikablen Umsetzung weichen.
Fotos: Helge Krückeberg, Milan Koch
