Rund 400 Teilnehmende, 58 Beiträge und 122 Mitwirkende aus 70 Organisationen: Am 9. und 10. Juni 2026 wurde das TOLLHAUS Karlsruhe zum Treffpunkt für alle, die die Zukunft des Kulturbereichs aktiv mitgestalten wollen. Unter dem Motto „Was kommt? Was bleibt? Was geht?“ brachte das Green Culture Festival Perspektiven aus Kultur, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammen und eröffnete Räume für Austausch, Vernetzung und gemeinsames Lernen.
Wie können Kulturinstitutionen nachhaltiger, klimaresilienter und zukunftsfähiger werden? Welche Rolle spielt Kultur in Zeiten von Klimakrise, gesellschaftlichen Umbrüchen und wachsender Unsicherheit? Und wie gelingt es, Veränderung nicht nur zu diskutieren, sondern konkret umzusetzen?
Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Teilnehmenden des Green Culture Festivals 2026 in Workshops, Panels, Vorträgen, Pitches, Rundgängen und Stammtischen. Dabei spannte das Festival den Bogen bewusst über Fragen der betriebsökologischen Transformation hinaus. Im Mittelpunkt standen ebenso die gesellschaftliche Rolle von Kultur, Fragen der Krisenresilienz, der demokratischen Teilhabe, der Kulturpolitik sowie die Herausforderungen wirksamer Nachhaltigkeits- und Klimakommunikation in bewegten Zeiten.
Von der Klimabilanz bis zur gesellschaftlichen Transformation
Die Bandbreite der Themen spiegelte die Vielfalt der aktuellen Herausforderungen wider. Diskutiert wurden unter anderem Klimafolgenanpassung in Kultureinrichtungen, Energieeffizienz und Mobilität, Kreislaufwirtschaft in Museen, nachhaltige Transformation in Theatern, Krisenvorsorge und gesellschaftliche Resilienz sowie die Frage, welche Narrative und Geschichten Orientierung in Zeiten tiefgreifender Veränderungen geben können.
Dabei standen nicht allein Strategien und Zielbilder im Mittelpunkt. Viele Beiträge zeichneten sich durch einen offenen und praxisnahen Austausch aus. Kulturinstitutionen, Initiativen und Netzwerke teilten Erfahrungen aus ihrer täglichen Arbeit, berichteten von Erfolgen, Herausforderungen und Zielkonflikten und diskutierten gemeinsam darüber, welche Ansätze sich bewährt haben und welche nicht.
Besonders deutlich wurde dies in Formaten wie dem Rundgang „Zukunftsfähige Soziokultur“, bei dem das KFZ Marburg, der Schlachthof Wiesbaden und das TOLLHAUS Karlsruhe konkrete Einblicke in ihre Arbeit zu Energieeffizienz und Mobilität gaben. Auch Beiträge zu Klimafolgenanpassung, nachhaltigem Museumsmanagement, Kreislaufwirtschaft oder den Transformationsprozessen in Theatern zeigten, wie vielfältig die Wege zu mehr Nachhaltigkeit im Kulturbereich sein können.
Internationale Perspektiven und neue Allianzen
Das Green Culture Festival 2026 blickte zugleich über Deutschland hinaus. Beiträge aus Österreich und der Schweiz eröffneten neue Perspektiven auf nachhaltige Kulturentwicklung und machten deutlich, dass viele Herausforderungen grenzüberschreitend diskutiert werden.
Ob beim “TATENbrunch” von Vert le Futur aus der Schweiz oder beim Stammtisch des österreichischen Netzwerks “NÖTIG – Nachhaltige Österreichische Theater- und Opernschaffende in Gemeinschaft”: Immer wieder ging es um die Frage, wie Wissen geteilt, Kooperationen gestärkt und gemeinsame Lösungen entwickelt werden können.
Gerade dieser Austausch über institutionelle, regionale und nationale Grenzen hinweg wurde von vielen Teilnehmenden als besonderer Mehrwert des Festivals wahrgenommen.
Neues Pitch-Format stößt auf große Resonanz
Erstmals setzte das Green Culture Festival 2026 verstärkt auf kompakte Pitch-Formate. In jeweils 15 Minuten präsentierten Organisationen, Initiativen und Projekte ihre Ideen, Erfahrungen und Lösungsansätze.
Die große Resonanz zeigt, dass das Format einen Nerv getroffen hat. Die Pitches ermöglichten einen schnellen Überblick über aktuelle Entwicklungen im Kulturbereich und eröffneten zugleich Einblicke in ein breites Spektrum von Organisationen und Perspektiven. Von innovativen Kommunikationsansätzen über Klimaschutzinstrumente bis hin zu Praxisbeispielen aus Kulturinstitutionen entstand so ein vielfältiges Bild der Transformation in Kultur und Medien.
Begegnung als Voraussetzung für Veränderung
Neben den fachlichen Debatten bot das Festival zahlreiche Möglichkeiten für persönliche Begegnungen. In Workshops, Stammtischen, Rundgängen und informellen Gesprächen entstanden neue Kontakte, Kooperationen und Ideen.
Damit bestätigte sich erneut eine zentrale Stärke des Green Culture Festivals: Menschen zusammenzubringen, die an unterschiedlichen Stellen an der Transformation des Kulturbereichs arbeiten. Nachhaltige Entwicklung ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Viele der drängenden Fragen unserer Zeit lassen sich nur gemeinsam beantworten.
Kultur, Politik und Wissenschaft im Dialog
Auch das Rahmenprogramm setzte wichtige Akzente. Zur Eröffnung begrüßten Jacob Sylvester Bilabel von der Green Culture Anlaufstelle, Neşe Erikli, Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, und Dr. Dominika Szope, Leiterin des Kulturamts Karlsruhe, die Teilnehmenden im TOLLHAUS Karlsruhe. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung vom Fidelitas Quartett der Badischen Staatskapelle, die auch Mitglied der Initiative Orchester des Wandels ist.
Staatssekretärin Neşe Erikli betonte: “Die Finanzierung der Green Culture Anlaufstelle durch die Bundesregierung endet im August 2026. Das bedauern wir sehr. Die Länder haben sich gegenüber dem Bund für eine Fortführung eingesetzt – leider ohne Erfolg. Etwas Wesentliches wird jedoch bestehen bleiben: das Wissen, die entstandenen Netzwerke und vor allem die Bereitschaft vieler Menschen, diesen Wandel weiterzutragen. Strukturen können sich verändern oder wegfallen – aber das, was gemeinsam aufgebaut wurde, wirkt weiter.” Sie fügte hinzu:
“Deshalb ist dieses Festival kein Abschluss, sondern hoffentlich ein weiterer Schritt auf einem gemeinsamen Weg.” – Staatssekretärin Neşe Erikli
In seinem Video-Grußwort würdigte Carsten Schneider, Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit, die Arbeit der Green Culture Anlaufstelle und all jener, die sich für eine nachhaltigere und zukunftsfähige Kultur engagieren. Zugleich betonte er die integrative Kraft der Kultur:
“Beide, Umweltschutz und Kultur, werden in einer polarisierten Welt gebraucht. Sie haben die Kraft, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken, Zukunftsthemen zu setzen und Menschen zusammenzubringen.”
– Bundesumweltminister Carsten Schneider
Jacob Sylvester Bilabel knüpfte an den letzten Punkt an, indem er betonte, dass Vertrauen die zentrale Voraussetzung für Zusammenarbeit, gesellschaftlichen Zusammenhalt und nachhaltige Transformation ist. Angesichts von Krisen, Polarisierung und einer zunehmenden „Ökonomie des Misstrauens“ plädierte er dafür, Ambiguitäten auszuhalten, unterschiedliche Perspektiven miteinander ins Gespräch zu bringen und Kultur als Raum der Begegnung und Verständigung zu stärken.
“Wenn Misstrauen zum Geschäftsmodell wird, kann Kultur eine wirksame Medizin zur Heilung werden.”
– Jacob Sylvester Bilabel
Den Abschluss bildete das große Finale mit Jacob Sylvester Bilabel, der dabei auch eine Bilanz nach drei Jahren Green Culture Anlaufstelle zog und die Motivation des Projekts wie auch des Festivals auf den Punkt brachte:
“Wir wollten eure Köpfe zum Kribbeln bringen, eure Herzen wärmen und eure Hände stärken. Wir hoffen, das ist uns gelungen.” – Jacob Sylvester Bilabel
Wir bedanken uns herzlich bei allen Beitragenden, Partner:innen, Unterstützer:innen und Teilnehmenden des Festivals, aber auch bei allen, die das Projekt und die Themen der Green Culture Anlaufstelle unterstützt, vorangetrieben und in die Welt getragen haben. Vielleicht, auch das hob Jacob Bilabel zum Schluss hervor, wird es im kommenden Jahr ein Wiedersehen, im Rahmen eines Festivals oder eines anderen Formats, geben.
Im Folgenden noch einige Eindrücke vom Festival (Fotos: Milan Koch. Bei Verwendung bitte immer angeben):





















