Im Kulturbereich verändert sich der Blick auf das Thema Energieeffizienz: Nicht nur Gebäude und Technik stehen im Mittelpunkt, sondern zunehmend auch Betrieb, Nutzung und Verantwortung. Nach drei Jahren Beratung und Praxiswissen fragen wir deshalb nicht nur: Was kommt, was bleibt, was geht? Wir haben auch einige Antworten parat.
Was kommt?

• Die Energiewende im Kulturbereich wird zunehmend auch zu einer Frage des intelligenten Betriebs und nicht allein des Bauens. Messung und Monitoring, Gebäudeautomation, angepasste Laufzeiten und klare Zuständigkeiten rücken dabei stärker in den Mittelpunkt.
• Steigende und schwankende Energiepreise erhöhen den Handlungsdruck. Umso wichtiger wird die Entwicklung resilienter Energiebezugs- und Verbrauchssysteme, die Verbräuche reduzieren und den Einsatz erneuerbarer Energien stärken.
• Auf Bundes- und Landesebene entstehen zunehmend Beratungs- und Förderangebote zur Steigerung der Energieeffizienz – von der Optimierung technischer Anlagen bis hin zu investiven Maßnahmen im Kulturbereich.
• Energieeffizienz wird immer mehr zu einem festen Bestandteil von Klimaschutzkonzepten im Kulturbereich. Das zeigen auch Leitfäden wie „Energieeffizienz im Theaterbetrieb“ der DTHG, „Auf dem Weg zum grünen Museum“ der DBU Deutsche Bundesstiftung Umwelt oder „Klimaschutz im Museum“ des Deutschen Museumsbundes, die konkrete Wege für die Praxis aufzeigen.
Energieeffizienz wird zunehmend zur Frage des intelligenten Betriebs: Wie nutzen wir Gebäude und Technik, wie messen und steuern wir Verbräuche? Und wer übernimmt Verantwortung? Steigende Energiekosten, neue Fördermöglichkeiten und wachsendes Know-how werden den Druck, aber auch die Möglichkeiten zur Veränderung weiter erhöhen.
Was bleibt?
- Das Energieeffizienzgesetz verpflichtet seit November 2023 Behörden, energieintensive Unternehmen und Rechenzentren zu mehr Energieeffizienz und (abhängig von Größe und Energieverbrauch) zur Einführung von Energie- oder Umweltmanagementsystemen.
- Die Nationale Roadmap Energieeffizienz 2045 zeigt Wege und Instrumente auf, um die Energieeffizienz langfristig zu steigern und die gesetzten Ziele zu erreichen.
- Angebote wie die Energieeffizienz-Expertenliste für Förderprogramme des Bundes vermitteln qualifizierte Fachkräfte für energieeffizientes und nachhaltiges Bauen, Sanieren sowie die Optimierung von Anlagen und Prozessen.

- Checklisten und Arbeitshilfen aus den vergangenen Jahren, wie die SPRINT20 Energieeffizienz-Checkliste, bieten konkrete Ansatzpunkte für die eigene Praxis.
- Beispiele wie der energieeffiziente Neubau des Humboldt Forums in Berlin oder die Einrichtung einer eigenen Stelle für Energieeffizienz am Staatstheater Kassel machen sichtbar, wie Energieeffizienz im Kulturbereich strukturell verankert werden kann.
Die Grundlagen sind da: gesetzliche Rahmenbedingungen, Strategien, Beratungsangebote und immer mehr praxiserprobte Werkzeuge weisen den Weg. Und Beispiele aus der Kultur zeigen längst, dass Energieeffizienz konkret umsetzbar ist – im Neubau genauso wie im laufenden Betrieb.
Was geht?

- Die Annahme, Energieeffizienz sei allein eine Frage des Gebäudes. Auch das Nutzungsverhalten und der Betrieb sind entscheidend – die Handlungsfelder reichen von Beleuchtung und Lüftung bis hin zum Hitzeschutz.
- Die Angst vor der „großen Aufgabe“. Energieeffizienz muss nicht mit aufwendigen Umbauten oder hohen Investitionen beginnen. Schon durch eine optimierte Nutzung von Gebäuden und technischen Anlagen lassen sich bis zu 20 % Energie einsparen ohne zusätzliche Investitionen.
- Das Verantwortungspingpong zwischen Kultur, Technik, Verwaltung und Gebäudeeigentümer. Energieeffizienz gelingt dann am besten, wenn Zuständigkeiten geklärt sind und alle Beteiligten gemeinsam an Lösungen arbeiten.
„Die Blockade ist in den Köpfen, nicht in den Anlagen“, bringt es Rüdiger Külpmann von der DTHG auf den Punkt. Was wir also hinter uns lassen sollten: die Vorstellung, Energieeffizienz sei allein eine Frage des Gebäudes, brauche immer große Investitionen oder liege in der Verantwortung anderer. Denn oft können schon kleine Veränderungen im Betrieb eine große Wirkung entfalten.
