Mehr als 100 Menschen kamen am vergangenen Donnerstag ins Bistro Marie im Bundestag, um mit uns Abschied zu nehmen. Der Blick auf den Reichstag, warmes Sommerlicht, Musik von Angela Aux, viele Gespräche und Begegnungen machten den Abend zu einem besonderen Abschluss für drei Jahre Green Culture Anlaufstelle.
Zum 31. August 2026 endet die Förderung. Die erste und bislang einzige bundesweite Anlaufstelle für ökologische Nachhaltigkeit in der Kultur ist damit Geschichte.
Was bleibt, sind mehr als 4.500 Beratungsprozesse, drei Green Culture Festivals, unzählige Gespräche, Veranstaltungen, Workshops und Begegnungen und vor allem ein Netzwerk von Menschen, die sich auf den Weg gemacht haben.
Eine unmögliche Aufgabe
In seiner Rückschau machte Jacob Sylvester Bilabel , Leiter der Green Culture Anlaufstelle, deutlich, wie ambitioniert die Aufgabe von Anfang an war: Rund 20.000 Kulturinstitutionen in 16 Bundesländern, ein föderales System, unterschiedlichste Sparten, Strukturen und Voraussetzungen. Und der Anspruch, mit allen zu arbeiten.
Begonnen hatte die Arbeit vor mehr als fünf Jahren im Aktionsnetzwerk Nachhaltigkeit in Kultur und Medien, später ging daraus die Green Culture Anlaufstelle hervor. Unter den Kulturstaatsministerinnen Monika Grütters und Claudia Roth und zuletzt unter Kulturstaatsminister Dr. Wolfram Weimer wurde aus einer Idee ein bundesweites Unterstützungsangebot.
„Das Komplizierte einfach machen“ war dabei immer ein Leitgedanke. Nachhaltigkeit sollte kein Spezialthema bleiben, sondern eine Querschnittsaufgabe werden. Und vor allem ging es nie um „die Kultur“, sondern um die Menschen, die in Museen und Theatern, auf Festivals und in Clubs, in Bibliotheken, Orchestern und Kulturverwaltungen arbeiten. Um ihre Fragen, ihre Ideen und ihre ganz konkreten Möglichkeiten, etwas zu verändern.
Was haben wir erreicht?
Diese Frage stand auch im Mittelpunkt des Abschiedsabends. Jacob Sylvester Bilabel blickte in seiner Rede auf drei Jahre Arbeit zurück. Besonders beeindruckend: die mehr als 4.500 Beratungsprozesse, die das Team in drei Jahren durchführen konnte. Und natürlich drei Green Culture Festivals, die ganz unterschiedliche Fragen gestellt haben: Wie gehen wir mit den Folgen des Klimawandels um? Wer wollen wir einmal gewesen sein? Und was kommt, was bleibt, was geht?
Prof. Dr. Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamtes und Vorsitzender unseres Beirats im letzten Jahr, würdigte zwei Beiträge der Anlaufstelle besonders: Sie habe dazu beigetragen, dass die Kultur ihre „Hausaufgaben“ bei Klimaschutz und Energieeffizienz angeht. Und sie habe gezeigt, dass kulturelle Innovation für die ökologische Transformation unverzichtbar ist.
Denn Nachhaltigkeit ist nicht nur eine technische Aufgabe. Wir brauchen auch neue Bilder, neue Erzählungen und neue Ästhetiken für eine Zukunft, in der wir gut leben können.
Alexander Carius, Gründer des Think-and-Do-Tanks adelphi und langjähriger Wegbegleiter von Jacob Sylvester Bilabel, richtete den Blick ebenfalls nach vorn. Wie sieht eine dekarbonisierte Welt eigentlich konkret aus? Wie verändern sich Lebensrealitäten? Welche Interessen und Machtverhältnisse spielen eine Rolle? Und wie gehen wir mit den Widersprüchen um, die eine solche Transformation mit sich bringt?
Es sind Fragen, auf die es keine einfachen Antworten gibt. Aber vielleicht ist genau das die Aufgabe: nicht so zu tun, als wäre der Weg gerade und einfach, sondern ihn trotzdem zu gehen.
War’s das jetzt mit der Nachhaltigkeit?
Natürlich nicht. Die ökologische Transformation geht weiter. Und sie wird nicht einfacher. Der vergangene Sommer hat einmal mehr gezeigt, dass die Realität des Klimawandels nicht verschwindet, nur weil wir sie nicht sehen wollen. Gleichzeitig gibt es, wie Prof. Dr. Messner betonte, enorme Fortschritte bei erneuerbaren Energien, Netzen, Speichern und Elektromobilität.
Die Herausforderung besteht darin, beides zusammenzudenken: die Dringlichkeit und die Widersprüche, die Fortschritte und die Rückschläge.
Dafür braucht es auch die Kultur. Und: Die Menschen in der Kultur wollen aktiv werden. Das haben wir in den vergangenen drei Jahren immer wieder erlebt. Sie wollen ihre Häuser und Institutionen zukunftsfähig machen. Sie wollen Ressourcen sparen, Energie effizienter nutzen, neue Arbeitsweisen ausprobieren und ihren Beitrag leisten. Was es dafür braucht, sind gute Rahmenbedingungen.
Die Green Culture Anlaufstelle konnte beraten, Wissen vermitteln, vernetzen und Mut machen. Sie konnte einen Raum schaffen, in dem man ausprobieren durfte, ohne bereits alle Antworten zu kennen. Dieser Raum schließt nun. Aber das, was darin entstanden ist, geht weiter.
Don’t get bitter, get better.
Zum Abschluss seiner Keynote zitierte Jacob Sylvester Bilabel die Transformationsforscherin Maja Göpel: „Don’t get bitter, get better.“
Vielleicht ist das eine gute Haltung für einen Abschied wie diesen. Die Green Culture Anlaufstelle wird es in ihrer bisherigen Form nicht mehr geben. Aber das Team wird weitermachen, an anderen Orten, in anderen Zusammenhängen. Mit dem Wissen aus drei Jahren gemeinsamer Arbeit. Mit neuen Erfahrungen. Und hoffentlich mit noch mehr Menschen, die sich einmischen.
Wir haben nie weniger Kultur gewollt. Im Gegenteil: Wir wollten mehr Kultur: eine Kultur, deren Wirkung vom Ressourcenverbrauch entkoppelt ist. Denn Klimaschutz ist eine lösbare Herausforderung.
Und:
Keine Kultur ist auch nicht nachhaltig.
Danke an alle, die uns in den vergangenen drei Jahren begleitet, unterstützt, beraten, herausgefordert und inspiriert haben. Danke auch an das fantastische Team des Bistro Marie für diesen besonderen Abend.
Danke an unsere Partner und vor allem an die Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien für den Mut, dieses Projekt möglich zu machen.
Fotos: Milan Koch (Bitte bei Verwendung immer angeben)




















