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Ein Abschied. Aber kein Schlussstrich.

10. August 2026

Mehr als 100 Men­schen kamen am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag ins Bis­tro Marie im Bun­des­tag, um mit uns Abschied zu neh­men. Der Blick auf den Reichs­tag, war­mes Som­mer­licht, Musik von Ange­la Aux, vie­le Gesprä­che und Begeg­nun­gen mach­ten den Abend zu einem beson­de­ren Abschluss für drei Jah­re Green Cul­tu­re Anlauf­stel­le.

Zum 31. August 2026 endet die För­de­rung. Die ers­te und bis­lang ein­zi­ge bun­des­wei­te Anlauf­stel­le für öko­lo­gi­sche Nach­hal­tig­keit in der Kul­tur ist damit Geschich­te.

Was bleibt, sind mehr als 4.500 Bera­tungs­pro­zes­se, drei Green Cul­tu­re Fes­ti­vals, unzäh­li­ge Gesprä­che, Ver­an­stal­tun­gen, Work­shops und Begeg­nun­gen und vor allem ein Netz­werk von Men­schen, die sich auf den Weg gemacht haben.

Eine unmögliche Aufgabe

In sei­ner Rück­schau mach­te Jacob Syl­ves­ter Bila­bel , Lei­ter der Green Cul­tu­re Anlauf­stel­le, deut­lich, wie ambi­tio­niert die Auf­ga­be von Anfang an war: Rund 20.000 Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen in 16 Bun­des­län­dern, ein föde­ra­les Sys­tem, unter­schied­lichs­te Spar­ten, Struk­tu­ren und Vor­aus­set­zun­gen. Und der Anspruch, mit allen zu arbei­ten.

Begon­nen hat­te die Arbeit vor mehr als fünf Jah­ren im Akti­ons­netz­werk Nach­hal­tig­keit in Kul­tur und Medi­en, spä­ter ging dar­aus die Green Cul­tu­re Anlauf­stel­le her­vor. Unter den Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin­nen Moni­ka Grüt­ters und Clau­dia Roth und zuletzt unter Kul­tur­staats­mi­nis­ter Dr. Wolf­ram Wei­mer wur­de aus einer Idee ein bun­des­wei­tes Unter­stüt­zungs­an­ge­bot.

„Das Kom­pli­zier­te ein­fach machen“ war dabei immer ein Leit­ge­dan­ke. Nach­hal­tig­keit soll­te kein Spe­zi­al­the­ma blei­ben, son­dern eine Quer­schnitts­auf­ga­be wer­den. Und vor allem ging es nie um „die Kul­tur“, son­dern um die Men­schen, die in Muse­en und Thea­tern, auf Fes­ti­vals und in Clubs, in Biblio­the­ken, Orches­tern und Kul­tur­ver­wal­tun­gen arbei­ten. Um ihre Fra­gen, ihre Ideen und ihre ganz kon­kre­ten Mög­lich­kei­ten, etwas zu ver­än­dern.

Was haben wir erreicht?

Die­se Fra­ge stand auch im Mit­tel­punkt des Abschieds­abends. Jacob Syl­ves­ter Bila­bel blick­te in sei­ner Rede auf drei Jah­re Arbeit zurück. Beson­ders beein­dru­ckend: die mehr als 4.500 Bera­tungs­pro­zes­se, die das Team in drei Jah­ren durch­füh­ren konn­te. Und natür­lich drei Green Cul­tu­re Fes­ti­vals, die ganz unter­schied­li­che Fra­gen gestellt haben: Wie gehen wir mit den Fol­gen des Kli­ma­wan­dels um? Wer wol­len wir ein­mal gewe­sen sein? Und was kommt, was bleibt, was geht?

Prof. Dr. Dirk Mess­ner, Prä­si­dent des Umwelt­bun­des­am­tes und Vor­sit­zen­der unse­res Bei­rats im letz­ten Jahr, wür­dig­te zwei Bei­trä­ge der Anlauf­stel­le beson­ders: Sie habe dazu bei­getra­gen, dass die Kul­tur ihre „Haus­auf­ga­ben“ bei Kli­ma­schutz und Ener­gie­ef­fi­zi­enz angeht. Und sie habe gezeigt, dass kul­tu­rel­le Inno­va­ti­on für die öko­lo­gi­sche Trans­for­ma­ti­on unver­zicht­bar ist.

Denn Nach­hal­tig­keit ist nicht nur eine tech­ni­sche Auf­ga­be. Wir brau­chen auch neue Bil­der, neue Erzäh­lun­gen und neue Ästhe­ti­ken für eine Zukunft, in der wir gut leben kön­nen.

Alex­an­der Cari­us, Grün­der des Think-and-Do-Tanks adel­phi und lang­jäh­ri­ger Weg­be­glei­ter von Jacob Syl­ves­ter Bila­bel, rich­te­te den Blick eben­falls nach vorn. Wie sieht eine dekar­bo­ni­sier­te Welt eigent­lich kon­kret aus? Wie ver­än­dern sich Lebens­rea­li­tä­ten? Wel­che Inter­es­sen und Macht­ver­hält­nis­se spie­len eine Rol­le? Und wie gehen wir mit den Wider­sprü­chen um, die eine sol­che Trans­for­ma­ti­on mit sich bringt?

Es sind Fra­gen, auf die es kei­ne ein­fa­chen Ant­wor­ten gibt. Aber viel­leicht ist genau das die Auf­ga­be: nicht so zu tun, als wäre der Weg gera­de und ein­fach, son­dern ihn trotz­dem zu gehen.

War’s das jetzt mit der Nachhaltigkeit?

Natür­lich nicht. Die öko­lo­gi­sche Trans­for­ma­ti­on geht wei­ter. Und sie wird nicht ein­fa­cher. Der ver­gan­ge­ne Som­mer hat ein­mal mehr gezeigt, dass die Rea­li­tät des Kli­ma­wan­dels nicht ver­schwin­det, nur weil wir sie nicht sehen wol­len. Gleich­zei­tig gibt es, wie Prof. Dr. Mess­ner beton­te, enor­me Fort­schrit­te bei erneu­er­ba­ren Ener­gien, Net­zen, Spei­chern und Elek­tro­mo­bi­li­tät.

Die Her­aus­for­de­rung besteht dar­in, bei­des zusam­men­zu­den­ken: die Dring­lich­keit und die Wider­sprü­che, die Fort­schrit­te und die Rück­schlä­ge.

Dafür braucht es auch die Kul­tur. Und: Die Men­schen in der Kul­tur wol­len aktiv wer­den. Das haben wir in den ver­gan­ge­nen drei Jah­ren immer wie­der erlebt. Sie wol­len ihre Häu­ser und Insti­tu­tio­nen zukunfts­fä­hig machen. Sie wol­len Res­sour­cen spa­ren, Ener­gie effi­zi­en­ter nut­zen, neue Arbeits­wei­sen aus­pro­bie­ren und ihren Bei­trag leis­ten. Was es dafür braucht, sind gute Rah­men­be­din­gun­gen.

Die Green Cul­tu­re Anlauf­stel­le konn­te bera­ten, Wis­sen ver­mit­teln, ver­net­zen und Mut machen. Sie konn­te einen Raum schaf­fen, in dem man aus­pro­bie­ren durf­te, ohne bereits alle Ant­wor­ten zu ken­nen. Die­ser Raum schließt nun. Aber das, was dar­in ent­stan­den ist, geht wei­ter.

Don’t get bitter, get better.

Zum Abschluss sei­ner Key­note zitier­te Jacob Syl­ves­ter Bila­bel die Trans­for­ma­ti­ons­for­sche­rin Maja Göpel„Don’t get bit­ter, get bet­ter.“

Viel­leicht ist das eine gute Hal­tung für einen Abschied wie die­sen. Die Green Cul­tu­re Anlauf­stel­le wird es in ihrer bis­he­ri­gen Form nicht mehr geben. Aber das Team wird wei­ter­ma­chen, an ande­ren Orten, in ande­ren Zusam­men­hän­gen. Mit dem Wis­sen aus drei Jah­ren gemein­sa­mer Arbeit. Mit neu­en Erfah­run­gen. Und hof­fent­lich mit noch mehr Men­schen, die sich ein­mi­schen.

Wir haben nie weni­ger Kul­tur gewollt. Im Gegen­teil: Wir woll­ten mehr Kul­tur: eine Kul­tur, deren Wir­kung vom Res­sour­cen­ver­brauch ent­kop­pelt ist. Denn Kli­ma­schutz ist eine lös­ba­re Her­aus­for­de­rung.

Und: 

Kei­ne Kul­tur ist auch nicht nach­hal­tig.

Dan­ke an alle, die uns in den ver­gan­ge­nen drei Jah­ren beglei­tet, unter­stützt, bera­ten, her­aus­ge­for­dert und inspi­riert haben. Dan­ke auch an das fan­tas­ti­sche Team des Bis­tro Marie für die­sen beson­de­ren Abend.

Dan­ke an unse­re Part­ner und vor allem an die Beauf­trag­ten der Bun­des­re­gie­rung für Kul­tur und Medi­en für den Mut, die­ses Pro­jekt mög­lich zu machen.

Fotos: Milan Koch (Bit­te bei Ver­wen­dung immer ange­ben)

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