Nachhaltige Veranstaltungen im öffentlichen Raum brauchen Austausch, Struktur und gemeinsame Verantwortung
Wie lassen sich große Veranstaltungen im öffentlichen Raum nachhaltiger, sicherer und zugleich sozial verträglich gestalten? Mit dieser Frage beschäftigte sich am 21. April 2026 unser digitales Kick-off-Event „Future the Scene: Nachhaltige (Groß-)Veranstaltungen im öffentlichen Raum“. Gemeinsam mit dem Netzwerk Green Events, Dr. Birte Jung und Johann Basko startete die Green Culture Anlaufstelle damit den Auftakt für ein bundesweites Austausch- und Vernetzungsformat für Akteur:innen aus Kommunen, Veranstaltungsorganisation, Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft.
Der öffentliche Raum ist dabei weit mehr als bloße Veranstaltungsfläche: Er ist Gemeingut, Aufenthaltsort, Verbindungsraum und Möglichkeitsraum zugleich.
Veranstaltungen können hier soziale Begegnung ermöglichen, Nachhaltigkeit sichtbar machen und Impulse für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung setzen. Gleichzeitig entstehen gerade im öffentlichen Raum besondere Herausforderungen: Etwa durch hohe Nutzungsdichte, begrenzte Flächen, uneinheitliche Genehmigungsverfahren, ökologische Belastungen, Lärmschutz, Mobilitätsfragen oder steigende Anforderungen an Sicherheit und Barrierefreiheit.
In der Einführung wurde deutlich: Eine freiraumverträgliche Veranstaltung muss öffentliche Zugänglichkeit, Gemeinwohl, ökologische Belastungsgrenzen und nachhaltige Durchführung zusammendenken.
Nach der Begrüßung und ersten Inputs durch Dr. Birte Jung gab Johann Basko Einblicke in das Modell „Transformery in Residence“ am Beispiel des Bürgerfests in Regensburg. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Nachhaltigkeitskompetenz konkret in kommunale Veranstaltungsprozesse eingebunden werden kann – dialogbasiert, kollaborativ und mit Blick auf die jeweilige Eigenlogik einer Stadt. Der Impuls machte deutlich: Transformation gelingt dort besonders gut, wo Verbindlichkeit, Aufmerksamkeit, konkrete Maßnahmen und überregionale Vernetzung zusammenkommen. Oder: Veranstaltungen werden entweder Teil der Transformation – oder Teil des Problems.
Im Anschluss zeigte das Netzwerk Green Events Perspektiven auf Sondernutzungen, Förderkriterien und kommunale Eigenveranstaltungen. Dabei wurde sichtbar, dass bestehende Steuerungsinstrumente – etwa Auflagen, Förderprogramme, kommunale Beschaffung oder Berichtspflichten – stärker genutzt werden könnten, um nachhaltige Standards in der Veranstaltungsbranche zu verankern. Zugleich bleibt die praktische Umsetzung oft anspruchsvoll: Nachhaltigkeitsanforderungen müssen konkret, überprüfbar und für Veranstaltende umsetzbar formuliert werden.
Eine freiraumverträgliche Veranstaltung muss öffentliche Zugänglichkeit, Gemeinwohl, ökologische Belastungsgrenzen und nachhaltige Durchführung zusammendenken.
Ein zentraler Bestandteil des Kick-Offs waren die anschließenden Breakout-Sessions. In sechs Gruppen diskutierten die Teilnehmenden konkrete Herausforderungen und Bedarfe aus ihrer Praxis. Besonders deutlich wurden zum Beispiel:
Es braucht Hitzekonzepte als Standard. Schattenplätze, Trinkwasserangebote, Rückzugsorte und Schutzkonzepte für Teilnehmende, Mitarbeitende und Mitwirkende müssen bei Veranstaltungen im öffentlichen Raum künftig selbstverständlich mitgedacht werden – nicht erst im Ausnahmefall.
Zweitens wurde der Wunsch nach konsequenter Müllvermeidung und Wiederverwendung formuliert. Dazu gehören Mehrwegsysteme ebenso wie der bewusstere Umgang mit Messe- und Werbematerialien, die Vermeidung kurzlebiger Goodies und die stärkere Wiederverwertung vorhandener Ausstattung.
Ebenso zeigte sich ein großer Bedarf an einem gemeinsamen Wissensfundus. Viele Herausforderungen entstehen nicht aus fehlendem Willen, sondern aus fehlender Koordination, unklaren Zuständigkeiten oder Wissenslücken zwischen Veranstaltenden, Verwaltung, Dienstleister:innen und weiteren Beteiligten. Wissenstransfer, Sensibilisierung und ein besseres Cluster-Verständnis wurden daher als zentrale Voraussetzungen für mehr Handlungssicherheit benannt.
Das Kick-off-Event hat gezeigt: Nachhaltige Veranstaltungen im öffentlichen Raum sind keine rein technische oder organisatorische Aufgabe. Sie berühren Fragen von Stadtentwicklung, Gemeinwohl, Klimaanpassung, Ressourcenschutz, Teilhabe und Verwaltungspraxis. Umso wichtiger ist ein kontinuierlicher Austausch zwischen den unterschiedlichen Akteur:innen, die an Planung, Genehmigung und Umsetzung beteiligt sind.
Der begonnene Prozess wird fortgeführt: Im Oktober 2026 ist eine Präsenzveranstaltung in Regensburg geplant. Diese knüpft an die Ergebnisse des digitalen Auftakts an und wird erneut in Kooperation und zusäztlich mit dem Aktionsnetzwerk Nachhaltigkeit stattfinden. Ziel ist es, die identifizierten Bedarfe weiter zu vertiefen, Praxiswissen zu bündeln und gemeinsam an tragfähigen Lösungen für nachhaltige Veranstaltungen im öffentlichen Raum zu arbeiten.
