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Menschen im Wald: Netzwerkevent Natur & Kultur in Nürnberg

22. April 2026

Natur und Kultur im Dialog

Wie las­sen sich Natur- und Kul­tur­schutz zusam­men­den­ken? Und wo lie­gen ihre gemein­sa­men Her­aus­for­de­run­gen und Poten­zia­le? Die­sen Fra­gen wid­me­te sich das zwei­te Netz­wer­ke­vent „Natur & Kul­tur“, das am 14. April 2026 im Nürn­ber­ger Reichs­wald statt­fand.

Aus­gangs­punkt war das Bio­ni­cum im Tier­gar­ten Nürn­berg. Von dort aus bega­ben sich die Teil­neh­men­den gemein­sam mit Prof. Dr. Hubert Wei­ger, Ehren­vor­sit­zen­der des BUND Natur­schutz, auf eine Füh­rung durch den Reichs­wald. Wei­te­re Impul­se lie­fer­ten Olaf Zim­mer­mann, Geschäfts­füh­rer des Deut­schen Kul­tur­rats, Jacob Bila­bel, Lei­ter der Green Cul­tu­re Anlauf­stel­le, sowie Gerd Schlie­per, Fut­ter­meis­ter des Tier­gar­tens Nürn­berg, und Domi­nik Laschin­ger, Förs­ter im Reichs­wald.

Im Hin­ter­grund steht beim For­mat “Natur & Kul­tur” auch die Fra­ge: Lässt sich über­haupt eine kla­re Trenn­li­nie zwi­schen Natur und Kul­tur zie­hen? Gera­de in Deutsch­land, wo Land­schaf­ten seit Jahr­hun­der­ten vom Men­schen geprägt sind, wird deut­lich: Natur ist immer auch Kul­tur­land­schaft – gestal­tet, genutzt und inter­pre­tiert.

Der Reichswald als historisches Lehrstück

Mit einer über 1000-jäh­ri­gen Nut­zungs­ge­schich­te erwies sich der Nürn­ber­ger Reichs­wald als beson­ders anschau­li­ches Bei­spiel für das kom­ple­xe Zusam­men­spiel von Natur und mensch­li­cher Nut­zung.

Über Jahr­hun­der­te hin­weg war der Reichs­wald zen­tra­ler Ener­gie­lie­fe­rant für die Stadt Nürn­berg – durch Brenn­holz und Holz­koh­le. Er bil­de­te damit eine wich­ti­ge Grund­la­ge für den wirt­schaft­li­chen Auf­stieg der Stadt im Mit­tel­al­ter. Auch indi­rekt präg­te er die Stadt­ge­schich­te: So war etwa Wald­ho­nig als Süß­stoff ein ent­schei­den­der Fak­tor für die Ent­wick­lung Nürn­bergs zur Leb­ku­chen­stadt.

Gleich­zei­tig zei­gen his­to­ri­sche Ent­wick­lun­gen die Kehr­sei­te inten­si­ver Nut­zung: Bereits im Mit­tel­al­ter kam es zu Über­nut­zung, was frü­he For­men nach­hal­ti­ger Forst­wirt­schaft not­wen­dig mach­te. Der Begriff „Nach­hal­tig­keit“ hat bekannt­lich sei­nen Ursprung in der Forst­wirt­schaft. Den­noch führ­ten Ein­grif­fe wie Mono­kul­tu­ren, Nähr­stoff­ent­zug und spä­te­re Rodun­gen zu erheb­li­chen Schä­den.

Zwischen Nutzung und Schutz

Im 20. Jahr­hun­dert galt der Reichs­wald zeit­wei­se als stark gefähr­det. Rodun­gen, Infra­struk­tur­pro­jek­te und die Fol­gen inten­si­ver Nut­zung setz­ten ihm zu. Erst durch enga­gier­ten Natur­schutz konn­te der Wald lang­fris­tig gesi­chert wer­den – unter ande­rem durch sei­nen Sta­tus als Bann­wald und durch zivil­ge­sell­schaft­li­ches Enga­ge­ment, das etwa den Bau eines Auto­bahn­kreu­zes ver­hin­der­te.

Heu­te steht der Reichs­wald erneut vor gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen. Neben den Aus­wir­kun­gen des Kli­ma­wan­dels beein­flus­sen auch gesell­schaft­li­che und poli­ti­sche Ent­wick­lun­gen den Umgang mit dem Wald. In der Forst­wirt­schaft zeigt sich dies etwa im Wan­del von Stra­te­gien – von nicht-hei­mi­schen Arten hin zu wider­stands­fä­hi­ge­ren, hei­mi­schen Baum­ar­ten.

Zugleich bleibt das Span­nungs­feld zwi­schen Schutz und Nut­zung bestehen: Als Nah­erho­lungs­ge­biet ist der Reichs­wald für vie­le Men­schen ein wich­ti­ger Ort, des­sen Nut­zung gleich­zei­tig sen­si­bel gesteu­ert wer­den muss.

Gemeinsame Perspektiven für die Zukunft

Das Netz­wer­ke­vent mach­te deut­lich: Kli­ma­schutz ist immer auch Natur­schutz. Und zir­ku­lä­re, nach­hal­ti­ge Ansät­ze erfor­dern Zusam­men­ar­beit über Sek­tor­gren­zen hin­weg. Natur und Kul­tur ste­hen dabei nicht im Gegen­satz, son­dern kön­nen von­ein­an­der ler­nen – etwa im Umgang mit Res­sour­cen, in Fra­gen der Resi­li­enz oder bei der Anpas­sung an Kli­ma­fol­gen.

Ein zen­tra­les Fazit des Tages: Der Schutz von Natur ist kei­ne abge­schlos­se­ne Auf­ga­be, son­dern ein fort­lau­fen­der Pro­zess. Er erfor­dert kon­ti­nu­ier­li­ches Enga­ge­ment, neue Ansät­ze und die Bereit­schaft, bestehen­de Prak­ti­ken immer wie­der zu hin­ter­fra­gen.

Austausch, Lernen und Vernetzung

Das Netz­wer­ke­vent brach­te zahl­rei­che Akteur:innen aus Natur­schutz, Kul­tur und Ver­wal­tung zusam­men und bot Raum für inten­si­ven Aus­tausch und neue Per­spek­ti­ven. Der gemein­sa­me Spa­zier­gang durch den Reichs­wald mach­te die The­men unmit­tel­bar erfahr­bar und unter­strich die Bedeu­tung inter­dis­zi­pli­nä­rer Zusam­men­ar­beit.

Ein herz­li­cher Dank gilt allen Betei­lig­ten und ins­be­son­de­re dem Tier­gar­ten Nürn­berg für die Gast­freund­schaft und die Unter­stüt­zung die­ses inspi­rie­ren­den Tages in der Natur.

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