Natur und Kultur im Dialog
Wie lassen sich Natur- und Kulturschutz zusammendenken? Und wo liegen ihre gemeinsamen Herausforderungen und Potenziale? Diesen Fragen widmete sich das zweite Netzwerkevent „Natur & Kultur“, das am 14. April 2026 im Nürnberger Reichswald stattfand.
Ausgangspunkt war das Bionicum im Tiergarten Nürnberg. Von dort aus begaben sich die Teilnehmenden gemeinsam mit Prof. Dr. Hubert Weiger, Ehrenvorsitzender des BUND Naturschutz, auf eine Führung durch den Reichswald. Weitere Impulse lieferten Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Jacob Bilabel, Leiter der Green Culture Anlaufstelle, sowie Gerd Schlieper, Futtermeister des Tiergartens Nürnberg, und Dominik Laschinger, Förster im Reichswald.
Im Hintergrund steht beim Format “Natur & Kultur” auch die Frage: Lässt sich überhaupt eine klare Trennlinie zwischen Natur und Kultur ziehen? Gerade in Deutschland, wo Landschaften seit Jahrhunderten vom Menschen geprägt sind, wird deutlich: Natur ist immer auch Kulturlandschaft – gestaltet, genutzt und interpretiert.
Der Reichswald als historisches Lehrstück
Mit einer über 1000-jährigen Nutzungsgeschichte erwies sich der Nürnberger Reichswald als besonders anschauliches Beispiel für das komplexe Zusammenspiel von Natur und menschlicher Nutzung.
Über Jahrhunderte hinweg war der Reichswald zentraler Energielieferant für die Stadt Nürnberg – durch Brennholz und Holzkohle. Er bildete damit eine wichtige Grundlage für den wirtschaftlichen Aufstieg der Stadt im Mittelalter. Auch indirekt prägte er die Stadtgeschichte: So war etwa Waldhonig als Süßstoff ein entscheidender Faktor für die Entwicklung Nürnbergs zur Lebkuchenstadt.
Gleichzeitig zeigen historische Entwicklungen die Kehrseite intensiver Nutzung: Bereits im Mittelalter kam es zu Übernutzung, was frühe Formen nachhaltiger Forstwirtschaft notwendig machte. Der Begriff „Nachhaltigkeit“ hat bekanntlich seinen Ursprung in der Forstwirtschaft. Dennoch führten Eingriffe wie Monokulturen, Nährstoffentzug und spätere Rodungen zu erheblichen Schäden.
Zwischen Nutzung und Schutz
Im 20. Jahrhundert galt der Reichswald zeitweise als stark gefährdet. Rodungen, Infrastrukturprojekte und die Folgen intensiver Nutzung setzten ihm zu. Erst durch engagierten Naturschutz konnte der Wald langfristig gesichert werden – unter anderem durch seinen Status als Bannwald und durch zivilgesellschaftliches Engagement, das etwa den Bau eines Autobahnkreuzes verhinderte.
Heute steht der Reichswald erneut vor großen Herausforderungen. Neben den Auswirkungen des Klimawandels beeinflussen auch gesellschaftliche und politische Entwicklungen den Umgang mit dem Wald. In der Forstwirtschaft zeigt sich dies etwa im Wandel von Strategien – von nicht-heimischen Arten hin zu widerstandsfähigeren, heimischen Baumarten.
Zugleich bleibt das Spannungsfeld zwischen Schutz und Nutzung bestehen: Als Naherholungsgebiet ist der Reichswald für viele Menschen ein wichtiger Ort, dessen Nutzung gleichzeitig sensibel gesteuert werden muss.
Gemeinsame Perspektiven für die Zukunft
Das Netzwerkevent machte deutlich: Klimaschutz ist immer auch Naturschutz. Und zirkuläre, nachhaltige Ansätze erfordern Zusammenarbeit über Sektorgrenzen hinweg. Natur und Kultur stehen dabei nicht im Gegensatz, sondern können voneinander lernen – etwa im Umgang mit Ressourcen, in Fragen der Resilienz oder bei der Anpassung an Klimafolgen.
Ein zentrales Fazit des Tages: Der Schutz von Natur ist keine abgeschlossene Aufgabe, sondern ein fortlaufender Prozess. Er erfordert kontinuierliches Engagement, neue Ansätze und die Bereitschaft, bestehende Praktiken immer wieder zu hinterfragen.
Austausch, Lernen und Vernetzung
Das Netzwerkevent brachte zahlreiche Akteur:innen aus Naturschutz, Kultur und Verwaltung zusammen und bot Raum für intensiven Austausch und neue Perspektiven. Der gemeinsame Spaziergang durch den Reichswald machte die Themen unmittelbar erfahrbar und unterstrich die Bedeutung interdisziplinärer Zusammenarbeit.
Ein herzlicher Dank gilt allen Beteiligten und insbesondere dem Tiergarten Nürnberg für die Gastfreundschaft und die Unterstützung dieses inspirierenden Tages in der Natur.




















