Am 25. Februar 2026 fand unsere Offene Sprechstunde zum Thema Künstliche Intelligenz digital via Zoom statt. 80 Personen hatten sich angemeldet, darunter zahlreiche Akteur:innen aus Kunst und Kultur sowie der Kreativ- und Medienbranche. Moderiert wurde die Veranstaltung von Lisa-Sophie Kinne aus dem Team der Green Culture Anlaufstelle.
Zu Gast waren Linnja Naujoks-Auffenberg (Leitung) und Katja Müller (Data Scientistin und Agile Coachin) aus dem Referat Informationsmanagement und Organisationsentwicklung am Niedersächsischen Staatstheater Hannover. Sie gaben praxisnahe Einblicke in die Entwicklung und Einführung einer KI-Leitlinie am Theater sowie Anwendungsmöglichkeiten in einem Fundusprojekt.
Zwischen Effizienzgewinn und Ressourcenverbrauch
Die Diskussion war von großer Neugier geprägt – und von sehr konkreten Fragen:
Wie lässt sich KI im bürokratischen und betriebswirtschaftlichen Alltag sinnvoll einsetzen, um mehr Raum für künstlerische Arbeit zu schaffen? Welche rechtlichen Herausforderungen sind zu beachten? Wird eine KI-Richtlinie verbindlich für alle Mitarbeitenden eingeführt? Und wie lässt sich der ökologische Fußabdruck von KI, etwa in Bezug auf CO₂-Emissionen, Wasser- und Energieverbrauch, realistisch bewerten?
Deutlich wurde: Die Mobilisierungspotenziale von KI stehen in einem Spannungsfeld mit ihrem hohen Ressourcenverbrauch. Ein prägnanter Satz aus der Diskussion lautete: „Stand jetzt gibt es keine nachhaltige KI.“ Angesichts des steigenden Bedarfs an Strom, Speicher, Fläche und Wasser ist ihr Einsatz derzeit kaum mit ökologischer Nachhaltigkeit vereinbar.
Gleichzeitig wurde deutlich, dass KI-Tools wie Chatbots informell längst genutzt werden, häufig ohne klare Regeln oder Sensibilisierung. Fehlendes Wissen und mangelnde Kompetenzen im verantwortungsvollen Umgang mit KI wurden als zentrale Herausforderungen benannt.
Praxisbeispiel Hannover: Leitlinie in acht Bausteinen
Das Niedersächsische Staatstheater Hannover stellte seinen strukturierten Ansatz vor: Die Entwicklung der KI-Leitlinie erfolgte in acht Bausteinen, beginnend mit einer klaren Definition von KI (und ihrer Abgrenzung zu Automatisierung und Digitalisierung), über Zielsetzungen bis hin zu einem konkreten Einführungsplan.
Besonders wichtig war die stakeholderübergreifende Entwicklung: Von der Leitung über Datenschutzbeauftragte bis zu Führungskräften waren verschiedene Ebenen eingebunden. Ergebnis ist unter anderem eine interne Plattform mit lizenzierten und freigegebenen KI-Tools für Mitarbeitende.
Als pragmatische Orientierung wurden fünf Schritte für den Einstieg in KI im Arbeitskontext formuliert:
- Problem definieren
- Werkzeug auswählen
- Experimentieren
- Feedback einholen
- (Falls sinnvoll) skalieren
Gesprächsbedarf bleibt
Die Sprechstunde machte deutlich: Der Bedarf an Austausch ist groß. Viele Teilnehmende äußerten den Wunsch nach einem Follow-up. Bis zum Green Culture Festival wird es zwar keine weitere Sprechstunde geben, das Thema wird uns jedoch weiter begleiten und Raum finden.
Weiterführende Impulse:
– „Intelligente Kultur“ bei kultur-klima
– Symposium zu KI im Kulturmarketing (20.–21. April, Kunsthalle Bremen)
